Eine Kunstmesse verkauft Galerien zunächst keinen Umsatz, sondern die Gelegenheit dazu. Wie teuer diese Gelegenheit wird und wer sie vorfinanziert, zeigt sich an der Artissima: Die Turiner Messe öffnet vom 30. Oktober bis 1. November 2026 im Oval, mit Vorbesichtigung am 29. Oktober.
Schon die Bewerbung kostet
Die Sektion „New Entries“ richtet sich an Galerien, die weniger als fünf Jahre bestehen und erstmals teilnehmen. Laut Teilnahmeleitfaden sind 20 bis 30 Quadratmeter vorgesehen; die Größe teilt der Veranstalter zu. Für die vier Hauptsektionen nennt die Messe 200 bis 280 Euro je Quadratmeter, ohne den New-Entries-Tarif darin gesondert auszuweisen. Ein vollständiger Endpreis samt Steuern und Zusatzleistungen lässt sich daraus nicht ablesen.
Bereits bis zum 5. Mai waren für New-Entries-Bewerbungen 1.000 Euro Anzahlung fällig. Auch eine Ablehnung ist nicht kostenlos: Dann werden laut Leitfaden 450 Euro, gegebenenfalls zuzüglich Mehrwertsteuer, einbehalten. Zugang ist also nicht nur eine kuratorische Entscheidung, sondern schon im Bewerbungsverfahren eine finanzielle Hürde.
Die unsichtbare Hälfte der Rechnung
Die Kalkulation endet nicht beim Stand: Verpackung, Hin- und Rücktransport, Versicherungsschutz, Reisen und Hotels müssen berücksichtigt werden. Dazu kommen Auf- und Abbau, die Arbeit am Stand und die Betreuung des heimischen Galerieraums. Wer selbst aufbaut und verkauft, spart womöglich externe Honorare, nicht die eigene Zeit.
Ein Verkauf deckt diese Kosten nicht automatisch. Bei Werken in Kommission, also zum Verkauf überlassenen Arbeiten, wird der Erlös zwischen Galerie und Kunstschaffenden aufgeteilt. Wer welche Aufwendungen trägt, hängt von den Vereinbarungen ab. Das wirtschaftliche Risiko kann damit bis ins Atelier reichen.
Warum trotzdem teilnehmen? Nach der von Arts Economics für Art Basel und UBS erstellten Marktstudie entfielen 2025 im Händlersektor 35 Prozent des Umsatzes auf Messen. Das erklärt deren Bedeutung, nicht die Rentabilität eines einzelnen Standes. Kontakte können später zu Verkäufen oder Ausstellungen führen; heutige Rechnungen begleichen sie noch nicht.
Förderung ist nicht gleich Vorfinanzierung
Der von der Messe finanzierte „Artissima New Entries Fund“ sieht je 3.000 Euro für drei Galerien vor. Eine Jury entscheidet nach der künstlerischen Qualität der Konzepte; vergeben wird die Unterstützung während der Messe. Das entlastet die Ausgewählten, ist jedoch weder eine Zusage für alle noch eine vorab gesicherte Finanzierung.
Ein anderes Modell bietet Österreich: Die Auslandsmesseförderung 2026 kann bei der Artissima die reine Standmiete bis maximal 7.000 Euro übernehmen; liegt sie darunter, werden nur die tatsächlichen Mietkosten berücksichtigt. Voraussetzungen sind unter anderem ein Galeriestandort in Österreich und ein Österreich-Bezug bei mindestens der Hälfte der ausgestellten Künstlerinnen und Künstler – durch Staatsbürgerschaft oder ständigen Wohnsitz. Transport und Personal sind damit nicht finanziert. Ausgezahlt wird erst nach vollständiger Abrechnung einschließlich Zahlungsbelegen und Bericht. Die Galerie muss also zunächst selbst zahlen.
Darin liegt ein entscheidender Unterschied: Ein Zuschuss kann die endgültige Belastung senken, ohne den vorübergehenden Geldbedarf zu beseitigen. Für den Marktzugang zählt deshalb nicht allein die Förderhöhe, sondern auch, wann Hilfe verlässlich verfügbar ist und welche Kosten sie erfasst. Die Messe beteiligt sich mit ihrem Fonds; öffentliche Förderung kann weitere Lasten übernehmen. Das Risiko, ohne ausreichenden Verkaufserlös zurückzukehren, bleibt jedoch bei den Galerien und – je nach Vereinbarung – den Kunstschaffenden.
Redaktionell geprüft · 25. Oktober 2026


