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Erfurts neue Theaterleitung: Der Übergang ist Teil des Programms

Rebekah Rota soll 2028 die künstlerische Leitung des Theaters Erfurt übernehmen; Ulrich Jagels kommt schon im Dezember 2026 für die kaufmännische Werkleitung. Bis dahin liegt die Gestaltung des Übergangs bei Interimsintendant Christian Illgen – und bei einer Leitung, deren Zuständigkeiten neu austariert werden.

Am Theater Erfurt steht der Wechsel an der Spitze ungewöhnlich lange vor dem eigentlichen Amtsantritt fest – aber noch nicht endgültig. Am 28. Oktober teilte das Haus mit, der Hauptausschuss habe der Einstellung Rebekah Rotas als Intendantin und künstlerischer Werkleiterin zugestimmt. Der Stadtrat soll am 9. Dezember darüber entscheiden. Rota soll am 1. August 2028 beginnen und zunächst fünf Spielzeiten verantworten.

Bis dahin ist der Übergang keine bloße Wartezeit. Christian Illgen führt das Haus seit August 2026 als Intendant durch die Spielzeiten 2026/27 und 2027/28. Zur selben Zeit wird die kaufmännische Leitung neu besetzt: Ulrich Jagels soll diese Aufgabe am 1. Dezember 2026 übernehmen. Damit trifft die Vorbereitung einer künftigen künstlerischen Handschrift auf laufende Entscheidungen zu Personal, Haushalt und Betrieb.

Ein Wechsel mit zwei Zeitachsen

Die Meldung über Rota markiert einen wichtigen Schritt, nicht den Abschluss des Verfahrens. Die Zustimmung des Hauptausschusses ist von der noch ausstehenden Entscheidung des Stadtrats zu unterscheiden. Auch die Ankündigung, Rota solle das Amt übernehmen, macht sie noch nicht zur Intendantin: Bis zum geplanten Amtsantritt bleibt Illgen verantwortlich.

Diese Zeitachse ist für ein Stadttheater mehr als eine Formalie. Spielpläne entstehen lange vor ihrer Premiere; Verträge, Besetzungen und Produktionsabläufe reichen oft über einzelne Spielzeiten hinaus. Welche konkreten Entscheidungen Rota vor 2028 mitgestalten wird, ist in der Mitteilung nicht näher festgelegt. Das Theater sagt lediglich, Illgen werde den Übergang gemeinsam mit ihr vorbereiten. Daraus lässt sich ein Gestaltungsspielraum erwarten, aber keine bereits definierte Zuständigkeit ableiten.

Illgen steht damit vor einer doppelten Aufgabe: den Betrieb des Hauses in den kommenden zwei Spielzeiten zu führen und zugleich Voraussetzungen zu schaffen, ohne den Gestaltungsspielraum seiner Nachfolgerin vorwegzunehmen. Das ist ein Balanceakt, keine bloße Übergabe eines fertigen Spielplans. Wo Kontinuität nötig ist, muss geplant werden; wo künftige Akzente offenbleiben sollen, darf die Vorbereitung nicht zur Vorentscheidung werden.

Geteilte Verantwortung, neue Struktur

Auch kaufmännisch beginnt der Wechsel vor Rotas Amtsantritt. Jagels’ Berufung soll eine Position besetzen, die zuvor kommissarisch geführt wurde. Seine Erfahrung in Kultureinrichtungen wie den Bayreuther Festspielen, der Oper Leipzig und dem Schleswig-Holstein Musik Festival nennt das Theater als Teil seines beruflichen Profils. Wie sich die Zusammenarbeit mit Rota im Detail gestaltet, ist noch offen. Die angekündigte Trennung der Funktionen macht jedoch sichtbar: Künstlerische und wirtschaftliche Verantwortung liegen nicht einfach in einer Hand.

Das passt zu einer strukturellen Neuordnung, die Erfurt bereits beschlossen hat. Der Stadtrat verlängerte den Findungsprozess für die künstlerische Werkleitung bis zum Amtsantritt 2028 und setzte für die Zwischenzeit eine Interimsleitung ein. Die doppelte Leitung ist damit nicht nur ein Personalwechsel, sondern Teil einer länger angelegten Neuaufstellung des Hauses. Für die künstlerische Arbeit bedeutet das, dass Programmplanung und wirtschaftliche Tragfähigkeit gemeinsam gedacht werden müssen – ohne sie gleichzusetzen.

Vor dem Amtsantritt beginnt die Arbeit

Für Rota ist der Abstand zwischen Auswahl und Amtsantritt Chance und Begrenzung zugleich. Sie kann das Haus kennenlernen und an der Vorbereitung mitwirken; die laufende Verantwortung liegt aber zunächst bei Illgen, die kaufmännische bei Jagels. Wer für welche Entscheidung zeichnet und wie weit die künftige Intendantin schon vor 2028 eingebunden wird, bleibt eine zentrale Frage des Übergangs.

Das Theater kündigt an, Raum für Rotas Ideen lassen zu wollen. Entscheidend wird sein, wie sich dieser Anspruch praktisch übersetzt: in abgestimmte Planung, transparente Zuständigkeiten und eine Übergabe, die das Ensemble und die Beschäftigten nicht zwischen zwei Leitungen zurücklässt. Der Übergang ist deshalb tatsächlich Teil des Programms – nicht als zusätzliche Inszenierung, sondern als Arbeit an den Bedingungen, unter denen die nächsten Produktionen entstehen.

Redaktionell geprüft · 28. Oktober 2026

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